Schiffsuhren aus Deutschland
Diese Seite befindet sich im Aufbau, es ist die Vorstellung von 20 Schiffs- und Marineuhren D1 bis D20 geplant.
D1 - Gustav Becker Freyburg in Schlesien
Marine-Präzisions-Schiffsuhr „Hansa“
Deutschland vor 1900
Wasserdichte Schiffsuhr mit 8-Tage Werk
Gehäuse: Messing massiv, vernickelt
Zifferblatt: Kupfer versilbert, Durchmesser 14cm, römische und arabische Ziffern
Gewicht: 2,80 kg
Werk: Schweizer Ankerhemmung, Breguetspirale, Schraubenunruh, 11 Steine
Bauzeit: unbekannt
Frühe Ausführung der Uhr, welche auch in großer Zahl an die Kaiserliche Marine geliefert wurde. Gehäuse und Werk sind bei beide Uhren nahezu identisch. Die Zifferblätter unterscheiden sich. Die Beschriftung ist nicht geätzt sondern geprägt oder graviert. Weiterhin sind zusätzlich die Stunden 13 bis 24 (rot, arabisch) vorhanden.
D2 - Gustav Becker Freyburg in Schlesien
Marine-Präzisions-Schiffsuhr „Hansa“ für die Kaiserliche Marine
Deutschland ca. 1914-1918
Wasserdichte Schiffsuhr mit 8-Tage Werk, Ausführung für die Kaiserliche Marine
Gehäuse: Messing massiv, schwarz oxidiert
Zifferblatt: Kupfer versilbert, geätzt, Durchmesser 14,0cm, römische Ziffern
Gewicht: 2,82 kg
Werk: Schweizer Ankerhemmung, Breguetspirale, Schraubenunruh, 11 Steine
Bauzeit: ca. 1900 bis 1934
Die Firma I.Schnoor wurde bereits 1902 von Franz Happe übernommen. Bis 1934 ist diese Uhr im gemeinsamen Katalog von Junghans und Gustav Becker aufgeführt.
Ausführung für die Kaiserliche Marine: Offenbar wurden diese Uhren von der Firma Gustav Becker an verschiedene Uhrmacher in Städten mit Marinewerften geliefert. Diese Uhrmacher fertigten dann die Zifferblätter mit Hoheitszeichen und Marinenummern an. Vermutlich wurden hierfür von Gustav Becker gelieferte Zifferblatt-Rohlinge verwendet. Folgende Aufschriften sind bekannt:
I.Schnoor Kiel, I.Schnoor Nachf.Kiel, Franz Happe Kiel, F.N.Tietz Kiel, Wilh.Kophamel Kiel, A.Schuchmann Wilhelmshaven, Th.Staebe Elbing und Johannes Czapp Danzig Kohlengasse 4
Diese Uhr war neben schwarz oxidiert auch mit Oberfläche Messing poliert oder vernickelt lieferbar.
D3 - Gustav Becker Freyburg in Schlesien
Marine-Präzisions-Schiffsuhr „Lloyd“
Deutschland um 1930
Wasserdichte Schiffsuhr mit 8-Tage Werk
Gehäuse: Messing massiv
Zifferblatt: Kupfer versilbert, Durchmesser 14cm, arabische Ziffern
Gewicht: 1,84 kg
Werk: Stiftankerhemmung, 3 Steine Ankerhemmung, Starthebel
Bauzeit: 1912 bis 1930 geschätzt
Sowohl 1912 als auch 1930 ist diese Uhr in Katalogen enthalten.
Wahrscheinlich wurde sie aber auch schon deutlich früher gefertigt.
Zur Zeit der Weimarer Republik gab es Ausführungen für die Reichsmarine mit Hoheitszeichen und Marinenummer.
D4 - Glashütter Uhrenbetriebe (GUB)
Schiffsuhr
DDR 1955
Gehäuse: Bakelit, wasserdicht, Klapplünette mit dem Aufzugsschlüssel verriegelt
Zifferblatt: lackiert, Durchmesser ca. 15cm (6“), arabisch Ziffern
Gewicht: 2,22 kg
Werk: Schweizer Ankerhemmung
Nach dem 2.Weltkrieg wurden die in Glashütte verbliebenen Uhrenfirmen 1951 zu den VEB Glashütter Uhrenbetriebe (GUB) zusammengeschlossen. Hier wurde diese wasserdichte Schiffsuhr entwickelt. Es gab verschiedene Zifferblätter. Die Platinen waren anfangs rund, später dreieckig. Seltener gab es diese Uhr auch im Aluminiumdruckgussgehäuse. Die Aufschrift GUB wechselte 1967 wie bei den Armbanduhren in Glashütte. Diese Schiffsuhren gab es auch als sog. Güteuhr mit höherer Ganggenauigkeit. Diese Uhren wurden mit einem „G“ auf dem Zifferblatt gekennzeichnet.
D5 - Hamburg Amerikanischen Uhrenfabrik (HAU)
Große Schiffsuhr
Deutschland 1891 - 1920
Wassergeschützte Schiffsuhr mit 8-Tage Werk
Gehäuse: Messingblech vernickelt, Klapplünette, Glas gewölbt
Zifferblatt: Kupfer emailliert, Durchmesser 16,0cm, arabisch Ziffern altdeutsch
Gewicht: 1,74 kg
Werk: Spitzzahnhemmung, Hohltriebe (Laternenritzel), Starthebel
Produktionszeit: 1891 bis 1920
Diese Uhr kann der Zeit von 1891 bis 1920 zugeordnet werden. Ab 1891 erfolgte die Einführung der Pfeilkreuzmarke auf dem Zifferblatt. Ab etwa 1920 wurden die Zifferblätter, vermutlich durch Einfluss der Bauhausschule, mit modernen Ziffern versehen.
Die durch die Pfeilkreuzmarke bekannte Uhrenfirma fertigte Uhren nach amerikanischer Bauart. Diese Uhren waren durch Gehäuse aus Blech, einfachen Spitzzahnhemmungen und dünnen Platinen mit Aussparungen gekennzeichnet. Ziel war eine preiswerte Produktion. Die Firma existierte bis 1930, wo sie durch Junghans übernommen wurde.
D6 - Hamburg Amerikanischen Uhrenfabrik (HAU)
Kleine Schiffsuhr
Deutschland 1883 - 1891
Wassergeschützte Schiffsuhr mit 8-Tage Werk
Gehäuse: Messingblech, Klapplünette
Zifferblatt: Kupfer emailliert, Durchmesser 13,5cm, arabisch Ziffern altdeutsch
Gewicht: 1,67 kg
Werk: Spitzzahnhemmung, Hohltriebe (Laternenritzel)
Diese Uhr kann der Zeit zwischen der Firmengründung 1883 und der Einführung der Pfeilkreuzmarke auf den Zifferblättern 1891 zugeordnet werden.
D7 - Hamburg Amerikanischen Uhrenfabrik (HAU)
Kleine Schiffsuhr
Deutschland 1920 - 1930
Wassergeschützte Schiffsuhr mit 8-Tage Werk
Gehäuse: Messingblech, Klapplünette
Zifferblatt: Kupfer emailliert, Durchmesser 13,5cm, arabisch Ziffern modern
Gewicht: 1,64 kg
Werk: Spitzzahnhemmung, Hohltriebe (Laternenritzel), Starthebel
Diese Uhr kann auf Grund der modernen Ziffern der Zeit ab 1920 zugeordnet werden. Diese modernen Ziffern setzten sich vermutlich durch Einfluss der Bauhausschule durch. 1930 wurde die Firma durch Junghans übernommen.
D8 - Junghans AG
Kleine Schiffsuhr
Deutschland 1937
Wassergeschützte Schiffsuhr mit 28-Tage Werk
Gehäuse: Messingblech schwarz lackiert, Klapplünette
Zifferblatt: Kupfer emailliert, Durchmesser 13,5cm, arabisch Ziffern modern
Gewicht: 1,28 kg
Werk: W74 mit Schweizer Ankerhemmung, 18000HS/h, Schraubenunruh,
Breguetspirale, 7 Steine
Bauzeit: 1930 – 1950 geschätzt
Nach Übernahme der Hamburg Amerikanischen Uhrenfabrik (HAU) 1930, wurde diese kleine Schiffsuhr bei Junghans weiterproduziert. Äußerlich entspricht die Uhr der bei der HAU produzierten Uhr. Das alte Spitzzahnwerk wurde jedoch ersetzt und das hauseigene Pendeluhrwerk W74 verbaut. Dieses Werk wurde hierfür mit einem Unruh-Echappement mit Schweizer Ankerhemmung modifiziert.
D9 - Junghans AG
Kleine Schiffsuhr "Flotte"
Deutschland 1935
Wassergeschützte Schiffsuhr mit 8-Tage Werk
Gehäuse: Messingblech vernickelt, Klapplünette, Glas gewölbt
Zifferblatt: Messing versilbert, Durchmesser 13cm, arabisch Ziffern modern
Gewicht: 1,25 kg
Werk: W146 mit Schweizer Ankerhemmung, 18000HS/h, Schraubenunruh,
Breguetspirale, 11 Steine, Malteserkreuz-Stellung
Bauzeit: 1931 – 1945 geschätzt
Modell: „Flotte“ lt. Katalog Fa. Junghans
Diese Uhr stammt von einem Besatzungsmitglied des U-Bootes U37 der Kriegsmarine. Er brachte die Uhr neben anderen Ausrüstungsgegenständen aus dem Krieg mit. Ob die Uhr tatsächlich von U37 stammt, ist nicht gesichert.
Zeitgeschehen U-Boot U37
Das Boot lief im Mai 1938 in der Weserwerft Bremen vom Stapel und war fortan im Nord- und Mittelatlantik im Einsatz. Im Mai 1945 wurde es durch die Besatzung selbstversenkt.
D10 - Junghans AG
Große Schiffsuhr
Deutschland 1932 bis 1950
Wassergeschützte Schiffsuhr mit 8-Tage Werk
Gehäuse: Stahlblech verzinkt und braun lackiert, Klapplünette, gewölbtes Glas
Zifferblatt: Messing versilbert, Durchmesser 16,0cm, arabische Ziffern modern
Gewicht: 1,33 kg
Werk: W146 mit Schweizer Ankerhemmung, 7 Steine, Schraubenunruh,
Breguetspirale, 18000HS/h, Hohltriebe (Laternenritzel)
Bauzeit: 1932 bis 1950 geschätzt
Als Nachfolger der von der Hamburg Amerikanischen Uhrenfabrik (HAU) 1930 übernommenen Schiffsuhr mit 16cm-Zifferblatt, wurde diese Uhr bei Junghans neu konstruiert. Das alte Spitzzahnwerk wurde durch das neuentwickelte W146 ersetzt. Viele Merkmale entsprechen noch der HAU-Uhr wie Zifferblattgröße, gewölbtes Uhrglas, leichtes Blechgehäuse und Laternenritzel.
Diese Uhr wurde auch mit zentralem Sekundenzeiger produziert. Neben der rotbraunen Lackierung gab es auch brünierte, verchromte oder Messing polierte Oberflächen.
D11 - Junghans AG
Marineuhr
Deutschland 1939
Wasser- und staubdichte Marineuhr mit 8-Tage Werk
Gehäuse: Messing verzinkt und brüniert, gestuft
Zifferblatt: Messing versilbert, Durchmesser 15,0cm, arabische Ziffern modern
Gewicht: 1,63 kg
Werk: W146 mit Schweizer Ankerhemmung, 7Steine, Schraubenunruh und
Breguetspirale 8-Tagewerk mit 18000HS/h, Malteserkreuz-Stellung
Produktionszeit: 1935 bis 1970 (ca.)
Besonderheit: Hoheitszeichen und Marinenummer der Kriegsmarine
Als Nachfolger der von Gustav Becker produzierten Marineuhr im gestuften, wasserdichten Gehäuse, brachte Junghans ab etwa 1935 diese neuentwickelte Uhr auf den Markt. Die Uhr hat ebenfalls ein gestuftes, wasserdichtes Gehäuse aus Messing. Als Werk kommt das neuentwickelte W146 zum Einsatz. Diese Uhr war in großer Zahl bei Kriegsmarine (Messinggehäuse brüniert) und später Bundeswehr (Stahlgehäuse verchromt) im Einsatz.
Zeitgeschehen
Der Angriff auf die Westerplatte am 1. September 1939 gilt als der Beginn des 2. Weltkriegs. An diesem Tag eröffnete das deutsche Schlachtschiff Schleswig-Holstein das Feuer auf die Westerplatte im Hafen von Danzig. Auf der Westerplatte befanden sich Stellungen der polnischen Armee und ein Munitionsdepot.
D12 - Junghans AG
Marineuhr (Funkraumuhr)
Deutschland 1951
Wasser- und staubdichte Marineuhr mit 8-Tage Werk
Gehäuse: Messing verzinkt und brüniert, Klapplünette, gestuft
Zifferblatt: Messing versilbert, Durchmesser 15,0cm, arabisch Ziffern modern,
Funkstillesektoren
Gewicht: 1,72 kg
Werk: W146 mit Schweizer Ankerhemmung, 7 Steine, Schraubenunruh und
Breguetspirale, 8-Tagewerk mit 18000HS/h, Malteserkreuz-Stellung
Produktionszeit (etwa): 1935 bis 1970
Diese Uhr besitzt einen speziellen Verschluss. Vermutlich konnte diese Uhr mit einem Vorhängeschloss gegen unbefugtes Verstellen gesichert werden.
Funkstillesektoren
Bereits mit Einführung der Funkentelegraphie Anfang des 20. Jahrhunderts und insbesondere nach der Titanic-Katastrophe, wurden für den Seefunkverkehr auf 500kHz sogenannte Funkstillen eingeführt. In dieser Zeit waren nur Notrufe erlaubt. Die Uhren für die Funkerräume erhielten von der 15. bis 18. und 45. bis 48. Minute rote Funkstillesektoren. Ab 1952 kamen von der 0. bis 3. und 30. bis 33. Minute grüne Sektoren für die Telefonie- Seenot und Anruffrequenz 2182kHz hinzu. Später gab es dann für Notrufe spezielle Funkkanäle.
D13 - Kieniger & Obergfell
Marineuhr
Deutschland 1935 bis 1945
Gehäuse: Messing ursprünglich schwarz lackiert, gestuft
Zifferblatt: Messing versilbert, Durchmesser 15,0cm, arabische Ziffern alt
Gewicht: 2,60 kg
Werk: Schweizer Ankerhemmung, 7 Steine, Schraubenunruh,
8-Tagewerk mit 18000HS/h, Malteserkreuz-Stellung
Produktionszeit (etwa): 1935 bis 1945
Besonderheit: Hoheitszeichen und Marinenummer der Kriegsmarine
Von der Firma Kieninger & Obergfell ist nur diese, speziell für die Kriegsmarine entwickelte Schiffsuhr bekannt. Sie wurde in großer Zahl für die Ausrüstung von U-Booten und Überwassereinheiten der Kriegsmarine geliefert. Auch nach dem 2.Weltkrieg wurden diese hochwertigen Schiffsuhren weiter genutzt. Hierzu wurden viele Uhren durch Ausbohren, Ausdrehen oder Zerkratzen des Hoheitszeichens und der Marinenummer „entnazifiziert“.


















































